Babymetal – Wenn Metalmusik zuckersüß wird

Jeder kennt sie, entweder man liebt sie oder findet sie nervig. Seit 2010 machen sie die japanische Idol - und Musikszene unsicher. Die Rede ist von Babymetal. Anfangs zu dritt, mittlerweile nur noch zu zweit spielen sie auf diversen Festivals und Konzerten weltweit. Doch wie genau kam es dazu, dass diese jungen und talentierten Frauen mit ihrer zuckersüßen Metal-Strömung so erfolgreich wurden? Das und noch vieles mehr will ich euch heute in diesem Artikel erläutern.


Das alles begann 2010: Zu dieser Zeit waren Suzuka Nakamoto (Su-Metal) Moa Kikuchi (Moa-Metal) und Yui Mizuno (Yui-Metal) noch ein Teil verschiedener japanischen Idol-Schmieden. Kei Kobayashi (Kobametal), der seit seiner Jugend Metal-Fan war und ein Angestellter der Talentagentur Amuse ist, entwickelte das Konzept des Kawaii Metal. Beim Kawaii Metal (oder Kawaiicore) werden süße J-Pop Stimmen mit harter Metalmusik gepaart. Er war es, der auch auf Suzuka aufmerksam wurde, die bis März 2009 der Gruppe Karen Girl’s angehörte und 2010 zu Sakura Gakuin wechselte. Da sie über eine äußerst starke Gesangsstimme verfügte, war er der Meinung, sie würde sich perfekt für sein Projekt eignen. Moa und Yui waren zu dieser Zeit bereits Teil von Sakura Gakuin.

Sakura Gakuin besteht aus mehreren Sub-Gruppen, die alle auf dem Konzept verschiedenster japanischer Schulclubs basieren. Eine dieser Sub-Gruppen war der „Club für harte Musik“ dessen Auftritte unter dem Namen Babymetal erfolgen sollten. Zu dieser Zeit hatte keines der Mädchen auch nur eine Ahnung von Metal.

Der Beginn des Aufstiegs in den Idol-Olymp


Den ersten offiziellen Auftritt hatte Babymetal am 28. November 2010. Im Rahmen des Sakura Gakuin Festival 2010, dem Debüt Konzert von Sakura Gakuin, performten sie den Song Doki Doki Morning. Dieser war auch auf dem im April 2011 erschienen Album Sakura Gakuin 2010 Nendo: Message vorhanden. Zusätzlich zu diesem Album veröffentlichte Juonbu Records, ein eigens geschaffenes Indie-Sublabel von Toy’s Factory, den Song als DVD-Single. Ein dazu gehöriges Youtube Video wurde ebenfalls veröffentlicht und zog erstmals die Aufmerksamkeit ausländischer Medien auf sich. Im Juli 2011 performten Babymetal den Song Ijime, Dame, Zettai.

Am 7. März 2012 wurde das Split-Album Babymetal x Kiba of Akiba in Kooperation mit der gleichnamigen Metal-Band veröffentlicht. Dieses Album erreichte Platz sieben der wöchentlichen Oricon-Indie-Charts und Platz 1 der Inidie-Rankings von Tower Records.

Am 23.Juni 2012 performten Babymetal den Track, den vermutlich jeder kennt, Headbanger bei einer Promoveranstaltung von Tower Records. Am 4.Juli wurde dieser Track als Single veröffentlicht.

Kurz darauf, nämlich am 21. Juli gaben Babymetal ihren ersten von Sakura Gakuin separierten Solo Auftritt im Konzertlokal Rockmaykan in Meguro.

Es folgte im August ein weiterer großer Meilenstein, der Auftritt beim Summer Sonic Festival. Mit gerade mal einem Durchschnittsalter von dreizehn waren sie die jüngste Band.

Damit war der Grundstein einer erfolgreichen Karriere gelegt und Babymetal brachte ihr erstes eigenständiges Album heraus.




Erste Konzerte außerhalb Japans – der Welterfolg Babymetal


Doch bevor es soweit war, musste die Gruppe sich erst von Sakura Gakuin abspalten. Denn es ist üblich, nach dem Abschluss der Mittelschule die Agentur zu verlassen, um jüngeren Mitgliedern Platz zu machen. So beschloss das Management von Amuse, auf Grund des unerwarteten Erfolgs, Babymetal als selbständiges Projekt weiterzuführen. Das Abschluss-Konzert der Mädels als Teil von Sakura Gakuin war am 31. März 2013 in Tokyo.

Das ganze Jahr 2013 wurde daran gearbeitet, Babymetal noch größer und erfolgreicher zu machen. So kamen mehrere Singles, wie die Neuauflage von Ijime, Dame, Zattai und die sich später zum Markensong entwickelte Single Megitsune raus. Von Mai bis Oktober waren die Mädels auf Japan-Tour. Sie spielten auf zahlreichen Festivals, wie zum Beispiel Join Alive, Rock in Japan und abermals auf dem Summer Sonic, was den Hype um Babymetal noch mehr anheizte.

Im Februar 2014 spielten sie ein Konzert in Taipeh mit der aus Taipeh stammenden Metal Band Chthonic. Im selben Monat erschien das erste Album Babymetal welches 13 Songs umfasst.

Dieses Album räumte in allen Charts ab. So erreichte es Platz vier in den Oricon-Albumcharts, Platz zwei in den Billboard Japan Charts und Platz eins in Deutschland, Großbritannien und den USA. Diese Platzierungen waren der internationale Durchbruch. Zudem brachte das Youtube Video zu Gimme Chocolat, ebenfalls einen weiteren Schub nach Oben.



Mit einem Durchschnittsalter von vierzehn-einhalb Jahren gingen Babymetal das erste Mal im Sommer 2014 auf Welttournee. Diese Tournee brachte die Mädels von Babymetal nach Europa und in die USA, wo sie die Vorband von Lady Gaga waren, sowie auf zahlreiche Festivals in Europa, den USA und Japan.

Zwei Jahre nach Suzukas Austritt von Sakura Gakuin war es nun auch für Moa und Yui an der Zeit, diese zu verlassen. Somit war Babymetal nun komplett unabhängig. Es folgte eine zweite Welttournee: Dieses Mal ging es nach Mexico, in die USA und Europa. Hier fand der erste Auftritt von Babymetal in Österreich statt nämlich auf dem Rock in Vienna Festival 2015. Die mittlerweile jungen Frauen im Alter von knapp sechzehn sollten in den nächsten Jahren noch öfter nach Österreich kommen.

Babymetal - die Metal Resistance und ein schwarzer Tag


Jeder kannte nun die drei Frauen von Babymetal und ihren powervollen Kawaii Metal. Doch es ist noch kein Ende in Sicht. Am 1. April 2016 kam das zweite Album von Babymetal mit dem Namen Metal Resistance heraus. Der Name des Albums war Programm: man erkannte deutlich, dass aus den kleinen schüchternen Mädels, die noch nie mit Metal zu tun hatten, junge Frauen wurden.

Die Bühnenperformance und die Texte der Mädels wurden ernster und erwachsener. Das Album bekam weltweit durchgehend positive Kritiken und erreichte Top-Platzierungen in den Charts. Einen Tag nach Veröffentlichung des Albums startete die dritte Tournee rund um den Globus. Babymetal war die erste japanische Band, die als Headliner das Wembley Stadium füllte und stellte zahlreiche Merchandise-Verkaufsrekorde auf. Die Tour führte durch acht Länder auf drei Kontinente. 2016 spielte Babymetal das zweite Mal auf dem Rock in Vienna Festival und anderen Festivals auf der ganzen Welt.

Der Abschluss der Tour 2016 waren zwei Konzerte im Tokyo Dome, die beide restlos ausverkauft waren und rund 110.000 Besucher erzielten.

Das Jahr 2017 war etwas ruhiger für Babymetal, was nicht heißt, dass nicht hart gearbeitet wurde. So spielten sie zum Beispiel Konzerte mit Metallica und Guns n´Roses zusammen.

Zur Feier von Suzukas zwanzigstem Geburtstag spielte Babymetal die ersten Konzerte in ihrer Heimatstadt Hiroshima.



Dies bringt uns nun - für mich als großen Babymetal-Fan - zum traurigsten Tag in der Geschichte der Band.

Kurz vor Start der nächsten Welttour erschien die Single Distortion, jedoch fehlte Yui ohne Angaben bei den Konzerten in den USA und Europa. Ich glaube, ihr könnt ahnen, worauf das Hinausführt: Yui verließ Babymetal und somit ging meiner Meinung nach auch das Herz der Gruppe verloren. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als der endgültige Ausstieg von Yui bekannt gegeben wurde. Ich brach in Tränen aus und hatte Angst um die Zukunft der Band. Immerhin begleiteten mich Babymetal seit meinem Beginn in der japanischen Musikszene. Ich überlegte sogar kurzfristig das Konzert in Innsbruck abzusagen und nicht hinzufahren. Ich bin aber im Endeffekt doch noch hingefahren, um die anderen beiden Mitglieder zu unterstützen. Obwohl Yui fehlte, war das Konzert eines der besten auf denen ich jemals war. Solltet ihr also die Zeit haben, ein Konzert zu besuchen, kann ich jedem einen Besuch empfehlen.

Su-Metal, Moa-Metal und die Avengers


Ich war erleichtert, dass das Management im April 2019 das dritte Studio Album von Babymetal, Metal Galaxy angekündigt hat. Auch wenn die Band jetzt nur noch aus zwei Mitgliedern besteht, hat Babymetal nichts an Popularität verloren. Im selbem Atemzug wurde auch die nächste Tour angekündigt. Diese Tour brachte Babymetal im November 2019 nach Wien. Seit Beginn der Tour besteht die Frontline von Babymetal wieder aus drei Frauen. Yui’s Position wird hier von drei im Rotationsprinzip wechselnden Tänzerinnen besetzet. Diese Avengers genannten Tänzerinnen sind,

Riho Sayashi, ehemaliges Mitglied von Morning Musume, Kano Fujihara, seit 2015 bei Sakura Gakuin, sowie Momoko Okazaki, ehemaliges Mitglied von Sakura Gakuin.

Zum Abschluss möchte ich euch noch einen kleinen Einblick in einen Live-Auftritt von Babymetal geben. Da ich selbst mehrmals auf Konzerten der Mädels war, hoffe ich euch auf den Geschmack zu bringen selbst ein Konzert zu besuchen.


Bevor man in die Halle kommt, muss man erstmal damit rechnen, sich in eine lange Schlange zu quälen. Viele der Besucher*innen stellen sich schon Stunden vor Konzertbeginn in die Schlange, um als erstes am Merchandisestand und vor der Bühne zu stehen. Wobei man bei japanischen Bands darauf achten muss, dass auch VIP Karten verkauft werden. Besucher*innen mit VIP Karten kommen meist ein bis zwei Stunden vorher in die Halle. Hast du es dann in die Halle geschafft, kannst du dich entscheiden, ob du zuerst den Merchstand aufsuchst, oder dich gleich vor die Bühne stellst. Ich persönlich gehe erst nach dem Konzert zum Merch. In der Halle selbst spürt man förmlich die Anspannung der Fans. Es werden Fangesänge angestimmt, meist sind das Passagen aus den Liedern der Band. Megitsune ist dafür ein gutes Beispiel. „Kitsune kitsune Watashi wa megitsune Onna wa joyuu yo“ hört man es dann durch die ganze Halle. Sobald das Licht ausgeht und die ersten Riffs der Kami Band von Babymetal angestimmt werden, gibt es kein Halten mehr. Das Publikum kocht über und es kann sein, dass je nachdem, wo man ein Konzert besucht, sich selbst ganz plötzlich in einem Moshpit (ein bei Metal-, Punk- oder Rockkonzerten sich bildender Kreis in der Menge, in dem Fans wild tanzen, schubsen und herumspringen) wiederfindet. Leider sind die Konzerte von Babymetal sehr kurz. Dies liegt aber ausschließlich daran das die Mädels beim Konzert mehr als 100% geben um mit ihren Fans zu feiern. Wenn dann der letzte Song gespielt wird, bringen Suzuka und Moa das Publikum nochmal zum Beben. Die beiden fordern die Menge dann zum Mitsingen auf und geben nochmal alles auf der Bühne. Diese Momente bleiben einem dann für immer im Kopf hängen.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Artikel gut unterhalten und euch dazu motivieren neue Bands auszuprobieren. Vielleicht wären ja auch die mysteriösen Dreamcatcher oder die leidenschaftlichen K.A.R.D. was für euch!

Euer Taka.

Bildquellen:

Titelbild: time-for-metal

Bild Masken: Amuse inc. und Babymetal

fan48backup

Bild Konzert von Taka

© 2020 von Animix.  Bei Fragen kontaktieren Sie uns bitte via office@anisekai-salzburg.at

  • Grau Icon Instagram
  • Grey Facebook Icon