Die dunklen Seiten des Ruhms - das Leben als Idol

Idole sind oft nur fröhlich, energiegeladen und gut gelaunt auf der Bühne und in Videos zu sehen. Doch was hinter der Maske dieser Menschen tatsächlich vorgeht sehen wir in der Regel nicht. Dem medialen Druck halten viele japanische oder koreanische Idols nicht Stand, was oft schlimme Konsequenzen haben kann. Da sich die Situation durch die hinzukommenden Hürden der weltweiten Corona-Pandemie verschlimmert hat, möchte ich euch heute einen Einblick in die Abgründe dieser Industrie geben.


WARNUNG: Wer mit sensiblen Themen nicht umgehen kann, dem empfehle ich diesen Artikel nicht weiter zu lesen. Wenn du suizidale Gedanken hast, wende dich bitte an eine dieser Notfallnummern aus deinem Land.

Natürlich gibt es noch viele andere Personen, die von der Krise tief getroffen wurden. Ich möchte mit diesem Artikel allerdings nur auf die Situation in der asiatischen Pop-Idol-Branche eingehen.

Das Leben im Goldenen Käfig


Die meisten Leute denken oft, dass man als Pop Idol man ein schönes, sorgloses und erfülltes Leben hat. Doch leider entspricht diese Vorstellung nicht der Realität. Das Leben als Idol ist alles andere als leicht und wird vom Anfang der Karriere bis zum Ende dieser meist nur von Management bestimmt. Sollte man es durch die Audition sowie dem Training schaffen und Teil einer Gruppe (oder als Solo Artist) werden, legt man seine bisherige Persönlichkeit komplett ab. Man ist bloß die Person, die das Management haben möchte. Dennoch streben vor allem junge Mädchen immer noch eine Laufbahn als Idol an.

Häufig Leben die Idols nur für ihr Label um die Schulden, die sie beim Label für Unterkunft, Verpflegung und Reisekosten aufgenommen haben, abzuzahlen. So kommt es oft vor, dass Gruppen, die keinen oder nur wenig Erfolg haben, größtenteils gratis für ihr Label arbeiten und kaum Geld verdienen.


Mobbing innerhalb der eigenen Gruppe ist keine Seltenheit


Eventuell hat der ein oder andere die aktuelle Situation um die ehemalige Girl Group AOA mitbekommen. Nachdem die Gruppe aufgelöst wurde, berichtete das ehemalige Mitglied Kwon Minah über Mobbing innerhalb der Gruppe. In einem Interview und auf Fragen zum gesundheitlichen Zustand ihrer Bandkollegin Choa, brach sie in Tränen aus. In den folgenden Monaten postete sie auf ihrem Instagram Account immer wieder Besorgnis erregende Inhalte. Sie schrieb über Suizid und selbstverletzendes Verhalten. Mitte August löschte sie ihren Account vollständig. Bevor sie ihren Account deaktivierte entschuldigte und bedankte sie sich bei ihren Fans und teilte mit, dass sie in professioneller Behandlung sei.

Mina von AOA

Über Dating Verbot und Gewichts Vorgaben für Idole


Eine der größten japanischen Idol Gruppen ist AKB48 mit Insgesamt 600 Mitgliedern, die in den verschiedensten Untergruppen aufgeteilt werden. Wer hier aufgenommen werden will muss viele Voraussetzungen erfüllen. Es ist ein harter Weg um in die Auswahl neuer jungen Talente zu kommen. Die jüngsten Mitglieder sind gerade einmal 13 Jahre alt und wiegen nur noch knappe 30 Kilo. Das dies keinesfalls gut für die Gesundheit junger Mädchen sein kann, kann man sich denken.


Doch auch in der koreanischen Pop Branche gibt es Gewichtsvorgaben für ein Idol. G-Dragon von Big Bang hat es nur mit einer radikalen Diät gerade so in die Gruppe geschafft, weil er laut Management zu fett war.

Nicht nur das Gewicht wird einem vorgeschrieben, sondern auch wen und was man lieben darf wird vorgeschrieben. Ein Idol ist deren Meinung nach beliebter, wenn es single ist. Es ist keine Seltenheit, dass junge Frauen und Männer ihre Karriere beenden müssen, noch bevor sie überhaupt richtig los geht. Denn sobald ein Dating Gerücht im Raum steht, ist dieses nur schwer wieder zu beseitigen. Ein gefundenes Fressen für die Medien und sozialen Netzwerke. Wie immer wird nicht über die Folgen solcher Gerüchte nachgedacht und die Idole verlieren radikal ihren Job.


In der Krise vom Label im Stich gelassen


Diese Szenarien sind leider kein Einzelfall in der harten Welt des K und J-Pop. Oftmals kommen die genauen Gründe für das Handeln der Personen gar nicht ans Tageslicht. Auch kommt es vor, dass Idols von ihrem Management im Stich gelassen werden. Beispielsweise aus finanziellen Gründen oder aber einfach weil eine andere Gruppe vielversprechender ist.

Ein aktueller Fall in dem das Label die Band hängen lies, ist die koreanische Girl Group ANS. Die 2019 gegründete Gruppe ANS war eine der talentiertesten Newcomer-Gruppen. Doch seit Ausbruch von Covid-19 Anfang 2020, ging es ihrem Label finanziell immer schlechter. Mittlerweile haben alle Bandmitglieder den Vertrag mit dem Label aufgelöst.


Seit Mai 2020 war es um ANS so schlecht bestellt, dass sie gerade einmal umgerechnet knapp 8 Euro pro Tag zum Leben von ihrem Label bekamen. Dieser Betrag wurde aber nur von Montag bis Freitag berechnet, am Wochenende bekamen sie gar kein Geld. Im Zuge dessen wurde ihre Unterkunft von einem guten Viertel in Seoul, auf den Stadtrand verlegt. Die Räumlichkeiten für Tanz und Gesangstraining wurden komplett gestrichen und auch ein angesetztes Fan-Meeting musste die Gruppe selbst organisieren, weil das Label alle für ANS zuständigen Mitarbeitenden gekündigt hatte.

Wie man sich denken kann, war das Meeting eine rein improvisierte Chaos-Veranstaltung. Als die verzweifelten ANS, alle im Alter von 18-23 Jahren, sich an das Management und eine Vertrauensperson wandten, kam als Antwort:

„Man wisse worauf man sich in dieser Branche einlasse, man soll erwachsen sein und die Situation hinnehmen, andererseits sollte man sich darauf gefasst machen in diesem Geschäft keinen Platz mehr zu bekommen“.

Was solche Worte mit einem jungen Menschen anstellen können beachtet hier keiner. Ich hoffe die Mädels finden alle ein neues Label und vielleicht sehen wir ANS unter einem anderem Namen ja wieder.



Nicht alles was Glänzt ist Gold- der enorme Druck von Medien und Fans


Im Herbst 2019 kam es zu einer Suizidwelle von K-Pop Idols. Innerhalb von zwei Monaten entschieden sich drei junge Menschen für diesen Weg. Zu einen wären da Goo Ha Ra, Mitglied der ehemaligen K-Pop Gruppe Kara. Sie war gerade einmal 28 Jahre alt, als sie von ihrem Ex-Freund in den Selbstmord getrieben wurde. Dieser drohte ihr, ihre Karriere zu zerstören indem er Sex-Videos veröffentlicht. Als Goo Ha Ra bei der Polizei Anzeige erstatten wollte, erhielt sie im Netz heftige Kritik und wurde von Personen als „Schlampe“ beschimpft. Sowas ist einfach nur traurig, denn das solche Beschimpfungen und Hetzereien einen Menschen zerstören kann, ist den Wenigsten bewusst.

Im Mai 2019 waren bereits Anzeichen suizidaler Gedanken zu sehen. Nach ihrem ersten Selbstmordversuch wurde Goo Ha Ra in ein Krankenhaus eingeliefert. Voller Demut entschuldigte sie sich danach bei ihren Fans, doch nur ein paar Monate später war es zu viel für die junge Frau.

Mobbing Opfer Goo Ha Ra

Auch Sulli ein Mitglied der Gruppe f(x) sah für sich keinen anderen Ausweg mehr. Mitte Oktober 2019 wurde sie tot in ihrer Wohnung im Stadtteil Seongnam in Seoul aufgefunden. Sie war eine der wenigen Feministen in der konservativen Gesellschaft Südkoreas. Diese Einstellung brachte massives Cyber Mobbing mit sich. Als die 25-jährige ein Bild, wo man einen Nippel durch das Shirt sehen konnte, auf Social Media postete, artete das in einen Skandal aus. Das mag aus unserer Sicht banal wirken, in Korea aber war das ein Riesenaufreger und sorgte für noch mehr Hass Sulli gegenüber.



Der letzte tragische Fall in dieser Serie an Selbstmorden war Cha In Ha, der Sänger der Boy Group Surprise U. Im Dezember 2019 fand der Manager der Boy Group den erst 27-jährigen Mann leblos in seiner Wohnung. Zu den konkreten Umständen und Beweggründen gibt es keine Angaben. Das Management bat aus Respekt der Familie gegenüber nicht über die Ursachen zu spekulieren.


Was man zu diesen Fällen definitiv sagen kann ist, dass ein Schutz der Idole her muss. Sowohl von Seiten des Managements, als auch von den Medien und den Fans sollte die Privatsphäre der Künstler*innen mehr respektiert werden.


Junge Mädchen als Mitglieder der J-Pop Gruppe AKB48

Depressionen und Burn-Outs sind kein so seltenes Phänomen in der Idol Branche. Sie treffen sowohl große Gruppen wie BTS als auch kleine, erst debütierende Gruppen. Falls ihr noch mehr zu diesem Thema erfahren wollt kann ich euch die Dokumentation K-Pop Idols: Inside the Hit Factory und Tokyo Idols empfehlen. In beiden Dokumentationen erhält man einen detaillierten Einblick in die Branche und das Leben eines Idols in Korea und Japan.


Ich hoffe ich konnte euch ein wenig aufklären über die Schattenseiten im Leben unserer Lieblingsmusiker*innen und ihr seid ein wenig sensibilisiert, was das vorschnelle Urteile und Hetzen über eine Person oder Gruppe des öffentlichen Lebens betrifft. Denn auch wenn man in dem Moment alles nur aus einer Emotion heraus sagt oder schreibt, kann das einen Menschen schwerer treffen als man denkt.

Euer Taka

Bildquellen:

Bild 1, by Alfaz Sayed on Unsplash

Bild 2, By HeyDay, CC BY 4.0

Bild 3, Photo by Tore F on Unsplash

Bild 4, By Tail, CC BY 4.0

Bild 5, By kndynt2099, CC BY-SA 2.0



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