Die Welt des Hip-Hops in Japan

Ihr kennt bestimmt alle den typischen Anime Opening Sound, aber habt ihr euch schon mal mit japanischem Rap oder Hip-Hop beschäftigt? Nein? Dann möchten wir euch heute mal einen kleinen Einblick in das Genre des J-Rap oder Nip Rap wie er auch genannt wird geben.

Japanischer Rap folgt seinen eigenen Regeln, da die japanische Sprache eher weniger für diese Art von Musik gemacht ist. Dennoch gibt es einige großartige Musiker*innen. Von Oldschool bis modernen "mumbel" Rap ist alles gegeben und lädt ein zum Genießen.

Seit Ende 2018 höre ich japanischen Rap. Ich war nie ein großer Freund von Rap und Hip-Hop, dennoch muss ich sagen, dass der japanische Rap etwas ganz Besonderes hat. Wenn er einen mal gefangen hat, lässt er auch nie wieder los. Der erste Artist, mit dem ich Berührung kam, war der junge Miyachi. Wie viele der jüngeren J-Rapper ist Miyachi in den USA geboren und aufgewachsen, rappt jedoch fast ausschließlich auf Japanisch. Sein Song Wakarimasen behandelt das Thema Rassismus gegenüber in Amerika geborenen Asiaten. Der Song geht mit seinem Refrain direkt ins Ohr, genauso wie Miyachi’s Art zu rappen.

Mit Miyachi sind gleich zwei weitere Rapper zu nennen, zu einem wäre da Anarchy, einer von den Älteren in der J-Rap Szene und G Yamazawa. Mit beiden arbeitete Miyachi in seiner frühen Karriere zusammen und veröffentlichte gemeinsame Tracks mit Ihnen.

Anarchy war vor seiner Karriere als Musiker in einer japanischen Motorradgang und hatte eine harte Kindheit. Das spiegelt sich auch in seinen Texten und Musikvideos wider. Mich persönlich berühren Anarchy’s Texte und ich mag seine Musik.

G Yamazawa ist ebenfalls ein US-amerikanischer Rapper mit japanischen Wurzeln. Seinen Ursprung hat er in Poetry Slam, machte aber nebenbei immer Musik. Die Texte in G Yamazawa’s Tracks sind sehr tiefgründig und man braucht einige Zeit, bis man sie einhundert Prozent versteht. Oft drehen sich die Texte um gesellschaftskritische Themen. Für mich ist er einer der besten J-Rapper.

Die Anfänge der Hip-Hop Welle in Japan – 1980 bis 1990

Doch wie genau schwappte die amerikanische Hip-Hop-Kultur jetzt genau nach Japan?

Für euch habe ich etwas nach recherchiert: Laut den Informationen, die ich gefunden habe, begann alles in den 1980er Jahren in Japan.

Zu dieser Zeit lief der Film Wild Style von Charlie Ahearn in den japanischen Kinos. Der Film behandelt den amerikanischen Hip-Hop und die Graffiti Szene. Amerikanische Musiker wie Busy Bee, Grandmaster Flash oder die Rock Steady Crew waren Cast in diesen Film.

Infolgedessen wurde Breakdance bei den japanischen Jugendlichen immer beliebter. Der Hotspot für alles rund um Breakdance, Rap und Graffiti war zu dieser Zeit der Yoyogi Park in Tokyo.

Wie anfangs schon erwähnt, rappten viele der japanischen Musiker auf Englisch, da sich die eigene Sprache nicht besonders dafür eignete.

Es gab dennoch viele japanische Rapper, die mit Rap in ihrer Sprache Erfolg hatten. Zu erwähnen wären hier insbesondere; Seiko Ito, Kan Takagi sowie Tinnie Punx, die Pioniere des Nip Rap sind.

Der Weg vom Underground in den Mainstream- 1990-2000

Bis zum Ende der 90er bzw. Beginn der 2000er fanden japanische Hip-Hop Konzerte nur in Kneipen im Rotlichtviertel Tokyo’s statt, sowie in kleinen Bars in Harajuku und Shinjuku.

Da Anfang der 90er, wie in meinem Beitrag über japanische Straßenkleidung erwähnt, eine Moderevolution stattgefunden hat, rückte auch die Musik immer mehr aus den verrauchten Kneipen und Bars mehr in das Bild der japanischen Medien und Musiksender.

Gruppen und einzelne Künstler wie Keitsumeishi, Homemade Kazoku, Zeebra und Hannya machten japanischen Rap Mainstream tauglich.

Keitsumeishi ist mit seinem lockerem Hip-Hop mit den Fantastischen 4 zu vergleichen. Sie haben auch zu einigen Anime schon Openings und Endings beigetragen und sollten daher dem ein oder anderen schon ein Begriff sein.

Homemade Kazoku schlägt eine ähnliche Richtung ein nur sind hier die Beats noch etwas härter und es erinnert mehr an Oldschool Hip-Hop.

Mir persönlich gefallen beide Gruppen sehr gut, auch wenn meine Leidenschaft eher bei K-Pop liegt. Trotzdem kann ich den Tipp geben: hört Euch die Gruppen an.


Zeebra und Hannya sind typische Oldschool Rap Artists, die beide schon in den verrauchten Kneipen Harajuku’s aufgetreten sind.

Zeebra ist nicht mehr aktiv, zumindest habe ich keine Hinweise darauf bei meinen Recherchen gefunden. Hannya hat hingegen Anfang dieses Jahrs noch einen Song veröffentlicht.

Dragonball und Frauen Power – die Gegenwart japanischen Hip-Hops




Was mir sehr stark aufgefallen ist, sowohl privat als auch beim recherchieren für diesen Beitrag, ist, dass einige der jüngeren Gruppen und Artists von Anime und Mange sehr geprägt wurden.

So haben Elle Teresa als auch Bad Hop beide einen Track der auf Dragonball basiert. In Elle’s Track geht es um Liebe und die Suche nach einem Partner verpackt in der Geschichte rund um Bulma und der Suche nach den Dragonballs. Während Bad Hop auf Ihre typische Art zeigen wollen welche Eier sie in der Hose haben und sich mit Goku Black bzw. den Super Sayajin Rose vergleichen.


Ein Phänomen, welches mir auch ins Auge gestochen ist, sind die vielen Rapperinnen, die in den letzten Jahren deutlich mehr geworden sind.

Neben der weiblichen Hip-Hop-Unit, Sudannayuzuyully die mit Ihrem Sound eher an eine K-Popgruppe als an japanischen Rap erinnern, gibt es noch zahlreiche andere junge Frauen, die diese Musikrichtung mitprägen.

Meine Empfehlungen hier wären Casper mit Ihrem Album Complex, Aya a.k.a Panda, Awich, Hitomin oder die bereits oben erwähnte Elle Teresa.

Casper hat von all diesen Artists die außergewöhnlichste Art zu Rappen. Sie schafft es, harte und ernste Themen mit einer sehr ruhigen und sanften Stimme rüber zubringen.

(Ich habe mir das Album damals zum Release gekauft und war sofort hin und weg!)

Elle Teresa und Aya a.k.a Panda haben einen sehr ähnlichen Stil. Beide gehen in die Richtung "süß und bitchig". Malibu Coke ist Elle’s bekanntester Track und ein Song den, wenn man Ihn einmal hört, einen nicht mehr so schnell aus dem Kopf geht. Auch die Tracks von Aya sind eigentlich alle sehr eingänglich. Mein Lieblingssong von ihr ist Spaghetti.

Die Songs von Awich schlagen mehr in die R’n’B Sparte, sind aber dennoch sehr zu empfehlen, wenn man mal nicht so Lust auf Rap hat. Wie viele japanische Hip-Hop Artists hat auch Awich eine Kollaboration mit Anarchy sowie Kzm.

Auf Hitomin bin ich erst vor kurzem aufmerksam geworden. Ihre Songs beinhalten viel autotune und sind deswegen sehr speziell, aber man gewöhnt sich schnell daran. An Hitomin begeistert mich Ihre jugendliche Energie in den Texten und ihrer Stimme. Es lohnt sich auf jeden Fall mal reinzuhören.




Was mir besonders an dieser Musikrichtung gefällt, ist das es viele Kollaborationen zwischen den unterschiedlichsten Artists gibt. Ein paar habe ich schon erwähnt. Doch es gibt noch weitere Namen, die ich gern erwähnen würde, weil ihr Euch bestimmt sonst beim Hören wundert. Neben Anarchy und Kzm, tauchen oft Rapper und Units wie AKLO, AK-69, ZORN und KOHH auf.


Die japanische Hip-Hop und Rap Szene ist also sehr miteinander verknüpft und vernetzt. Es gibt kaum oder nur wenig Streit zwischen verschiedenen Parteien. Genau aus diesem Grund gefällt mir japanischer Rap besser als der in Deutschland oder den USA ansässigen Rap.


Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Einblick in dieses Genre japanischer Musik geben und ihr gebt den ein oder anderen Artist eine Chance euch so zu begeistern wie mich.


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Liebe Grüße euer Taka


Bildquelle: shutterstock.com

Titelbild: yuumei

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