Fußball in Japan – vom Studentensport zum Welterfolg

Fußball oder サッカー(Sakkā), wie es auf japanisch heißt, ist die beliebteste Sportart auf der Welt. Nach Baseball ist es der zweit beliebteste Mannschaftssport in Japan, seit 1917 wird dieser aktiv ausgeführt. Selbst die Anime und Manga Welt blieb vom Fußballfieber nicht unberührt. Dementsprechend konnten auch wir uns nicht der Faszination dieses Sports entziehen. In diesem Artikel wollen wir euch in die Welt des japanischen Fußballs mitnehmen. Euch erwartet eine einzigartige und in diesem Ausmaß nur selten auf Fußballplätzen und Stadien anzutreffende Hingabe für das runde Leder.


Der Sport kam schon recht früh durch britische und niederländische Händler nach Japan, konnte sich aber erst 1917 richtig durchsetzen. Davor wurde eine mittelalterliche Form des Fußballs praktiziert, die Kemari genannt wird. Die Regeln von Kemari entsprechen dem, was im deutschen Sprachgebrauch gerne als „Ball hochhalten“ definiert wird. Wann genau das erste Fußballspiel auf japanischen Boden stattfand, ist leider unbekannt. Jedoch wurde 1921 der erste Landespokal ausgespielt. Somit ist der Kaiserpokal einer der ältesten Landespokale in Asien. Dieser Wettbewerb hatte Jahrzehnte kaum Aufmerksamkeit und wurde unter verschiedensten Universitäten ausgespielt. Erst 1964 nach den Olympischen Spielen in Tokio schenkte man den Fußball mehr Beachtung. Der älteste registrierte Verein ist der noch heute in der sechstklassigen Regionalliga aktive Tokyo Shukyu-dan von 1917, aber ein Vereinswesen wie in anderen Ligen gab es in Japan nicht. Insgesamt setzt sich die japanische Liga aus drei Profiligen, J-League 1-3 und mehreren Amateurligen zusammen.

Die Goldenen Zeiten des japanischen Fußballs waren im Jahr 2002 während der Weltmeisterschaft in Süd-Korea und Japan. Die Spielorte in Japan während der WM waren das Shizuoka Stadium Ecopa, Kashima Soccer Stadium, Kobe Wing Stadium, Niigata Stadium, Ōita Stadium, Nagai Stadium, Miyagi Stadium, Sapporo Dome, International Stadium Yokohama und das Stadion meines Lieblingsverein Vegalta Sendai, das Saitama Stadium.


Seitdem konnte die J-League international immer mehr an Popularität gewinnen und mittlerweile spielen Starspieler aus aller Welt in der japanischen Liga.



Dank Fabia hatte ich die Möglichkeit Yuta, einen japanischen Fußballfan, zu Interviewen. Yuta hat aus Leidenschaft zu diesem Sport angefangen Deutsch zu lernen und zu studiert. Er hat sogar (wie Ayato - Interview über seinen Studienaufenthalt) ein Auslandssemester in Salzburg gemacht und dabei RedBull Salzburg miterlebt.


Fabia und Yuta bei FC Salzburg gegen Borussia Dormund
Fabia und Yuta bei FC Salzburg gegen Borussia Dormund

Q: Hallo Yuta, danke dass du dir die Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten. Was ist deiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen dem europäischen und japanischen Fußball?


A: Der größte Unterschied ist auf jeden Fall die Geschwindigkeit und Dynamik im Spiel. Im Vergleich zu deutschen oder englischen Clubs sind die Spielzüge und der Spielaufbau von japanischen Clubs deutlich langsamer und nicht so schön anzusehen. Auch ist die Hingabe der Fans sehr unterschiedlich. In Japan hat man ähnlich wie in Süd-Amerika eine sehr leidenschaftliche Fanszene, die Ihr Team 90 Minuten lang voll unterstützt.

Q: Weil du gerade die Fans erwähnst. In Europa vor allem in England, ist das Hooligan Problem immer noch sehr präsent. Gibt es in Japan auch Hooligans?


A: Nein, in Japan gibt es keine Hooligans. Der einzige Vorfall, der etwas extremer war, war als ein koreanischer Spieler zu einer japanischen Mannschaft wechselte. Die Fans dieses Clubs haben ein Transparent während des Spiels gehisst auf dem zu lesen war "Japanese Only". Später wurde dieser Spieler eingebürgert und schoss während des Asian Nation Cup ein Tor für Japan.

Q: Wie bist du auf europäischen Fußball aufmerksam geworden?


A: Wie schon erwähnt ist das Spiel europäischer Clubs deutlich interessanter als das japanischer. Aber auch die individuellen Spieler sind besser als japanische, auch wenn es Ausnahmen gibt wie Honda oder Kagawa. Besonders die Vergangenheit europäischen Fußballs begeistert mich. So schaue ich auf Youtube oder auf DVD Spiele aus den 90er bis 2010. Meine Lieblingsmannschaft aus Europa ist Manchester United.

Q: Was ist das Besondere am japanischen Fußball?


A: Die Unterstützung der Fans für die Clubs. Aber auch die Art, wie japanische Mannschaften spielen. Am ehesten wäre es vergleichbar mit spanischem Fußball: viele Clubs legen viel Wert auf Ballbesitz und Passspiel. Die Mentalität der japanischen Nationalmannschaft ist auch sehr hervorzuheben, hier zählt das Teamgefühl mehr als die Bedürfnisse einzelner Spieler. Das sieht man im europäischen Fußball eher selten.

Q: Hast du auch in Japan einen Verein, den du unterstützt oder der dir am Herzen liegt?

A: Ja habe ich, die Mannschaft aus meiner Heimat Stadt, Gamba Osaka. Da ich Clubs bevorzuge, die schnellen und aggressiven Fußball spielen, bin ich Fan von Gamba Osaka. Leider sind sie in letzter Zeit nicht mehr so erfolgreich und spielen einen etwas anderen Fußball. Aber ich kann mich noch erinnern wie sie bei der Club-Weltmeisterschafft 2008 drei Tore gegen Manchester United geschossen haben. Ich war sehr begeistert als ich das Spiel im Fernsehen verfolgt habe.

Q: Was sollte man bei einem Besuch eines Spiels in Japan beachten?


A: Eigentlich dasselbe wie bei jedem Besuch in Stadien der ganzen Welt. Vor dem Spiel muss man durch Sicherheit-Checks und es gibt nur Sitzplätze in den Stadien. Auch sollte man auf das Wetter achten. Da viele Stadien in Japan nicht überdacht sind, sollte man entweder dementsprechend gekleidet sein oder man geht bei gutem Wetter ins Stadion. Sonst gibt es nicht viel Unterschied zu einem Besuch in europäischen Fußballstadien.


Danke Yuta für deine Zeit und deine Antworten, es war interessant und aufschlussreich!

Saitama Stadium Sendai
Saitama Stadium Sendai

J-League – Geschichte des japanischen Profifußballs


Bevor es die japanische Liga so gab wie sie heute dasteht, ging sie durch eine jahrelange Umstrukturierung und Revolution des Sports. Denn erst 1992 war die J-League oder Japan Professional Football League das, was sie heute noch ist. Vor Gründung der J-League war die aus reinen Firmen-Amateurmannschaften bestehende Japan Soccer League die höchste Spielklasse des japanischen Fußballs. Die JSL bestand von 1965-1992 und war nach der japanischen Baseball Liga die zweite gegründete Sportliga in Japan. Sie war die erste für Amateursport gegründete Liga. Nach dem hoch der 60er und 70er Jahren schwand das Interesse an Fußball in Japan. Um dem entgegenzuwirken entschloss sich der japanische Fußballverband, 1921 gegründet und 1929 der FIFA beigetreten, dem entgegen zu wirken und rief die J-League ins Leben. Insgesamt zehn Mannschaften fungierten im Jahr 1992 als Gründungsmitglieder. Acht davon, Yokohama F. Marinos, Gamba Osaka, JEF United Chiba Sanfrecce Hrioshima, Urawa Red Diamonds, Nagoya Grampus und Tokio Verdy, wurden nach Ende der Spielzeit 1991/92 aus der ersten Division der Japan Soccer League übernommen, hinzu kamen Sumitomo aus der zweiten JSL-Division sowie Shimizu S-Pulse, welche eigens für die neue Profiliga gegründet wurden. Vor dem Saisonstart 1993 änderten alle Firmenteams ihre Namen, die hauptsächlich westlich angehaucht sind. Das erste offizielle Punktspiel fand am 15. Mai 1993 im Olympiastadion Tokio statt.

Die erste Saison wurde nicht nur auf Grund der Medienpräsenz ein voller Erfolg. Jedoch ging es dem japanischen Fußball nach drei Jahren deutlich schlechter. Dies machte sich in schwindenden Zuschauerzahlen sowie finanziellen Unterstützungen der einzelnen Mannschaftsinhaber, bemerkbar. Zwischen 1996-1999 war der Sport kurz vor seinem Aus. Jedoch fing sich die Situation im Jahre 1999 wieder mit der Einführung der zweiten Liga, der J-League 2. Dies hob die Zahl der Profi Mannschaften von 17 schlagartig auf 26 an. Somit flossen mehr Fernseh- und Sponsorengelder in die Vereine, was die Situation stabilisierte.

Ein weiterer entscheidender Schritt war die Einführung eines Außerordentlichen-Mitglieder-Systems, sprich die Aufnahme von Regionalligen und das Austragen von Regionalmeisterschaften im Jahr 2006. Erster Nutznießer des neuen Systems war der Ehime FC, ihm folgten bis zum Erreichen der festgelegten Obergrenze von 22 Vereinen in der Division 2 im Jahr 2012 noch zehn weitere Vereine.

Urawa Red Diamond Fans
Fankurve der Urawa Red Diamonds

Das System der außerordentlichen Mitgliedschaft stellte sich als sehr effektiv heraus, sodass die J-League mit Erreichen der Kapazitätsgrenze der Division 2 zu Beginn der Saison 2012 vor einem neuen Dilemma stand. In der Zwischenzeit hatte sich nämlich in der Japan Football League trotz eines jährlichen Aufstiegs von ein bis drei Mannschaften die Zahl der außerordentlichen Mitglieder ebenfalls kontinuierlich vermehrt, zuletzt befanden sich in der Saison 2012 im achtzehn Vereine starken Teilnehmerfeld zehn Teams mit diesem Status. Für eine Saison versuchte man daher, das Problem mit einer Auf- und Abstiegsregelung zwischen der Division 2 und der JFL zu lösen, aber es zeigte sich schnell, dass dies keine dauerhafte Lösung sein konnte.


Anfang 2013 wurde daher der Plan einer dritten Profiliga neu aufgegriffen. Erste Planungen sahen für diese eine Staffelstärke von zehn Mannschaften vor, diese wurde jedoch schließlich im Juli 2013 auf zwölf Mannschaften erweitert. Um für die Premierensaison berücksichtigt zu werden, mussten an der Teilnahme interessierte Vereine entweder bereits den Status eines außerordentlichen Mitglieds besitzen oder aber bis zum 30. Juni 2013 einen Aufnahmeantrag gestellt haben. Im letztgenannten Fall prüfte dann das J-League Council, ob der jeweilige Verein die Voraussetzungen zur Teilnahme erfüllte. Letztlich wurden elf Vereine im November 2013 als Teilnehmer der J-League3 genannten Division in die J-League aufgenommen; das Teilnehmerfeld wurde mit einem U-22-Auswahlteam, das mit Blick auf die Olympischen Spiele 2016 gegründet worden war, komplettiert. Wie bei der Gründung der Division 2 fünfzehn Jahre zuvor waren die wirtschaftlichen Kriterien der J-League3 weniger streng, was den Zutritt von interessierten Vereinen erleichtern sollte.


Seit Gründung der J-League3 konnten bislang fünf weitere Vereine aus der Japan Football League aufgenommen werden. Kriterien für eine Zulassung sind hierbei nach wie vor der Besitz der außerordentlichen Mitgliedschaft, die nun J.-League-Hundertjahrplan-Verein genannt wird, sowie das Erreichen einer der ersten vier Plätze am Ende einer JFL-Saison. In der Saison 2020 spielen sechs Hundertjahrplan-Vereine in der sechzehn Mannschaften starken Japan Football League, drei weitere sind in der Kantō-Regionalliga bzw. in der Präfekturliga Tokio angesiedelt.

Rekorde und Fans des japanischen Fußballs


Der älteste Proficlub in der J-League ist Kyoto Sanga Tosu. Seinen Ursprung hat der Verein im Jahr 1922 gegründeten Kyōto Shikō Club, welcher sich nicht, wie die meisten Vereine aus einer Werksmannschaft, sondern einem Hochschulteam gründete. Die Vereinsfarbe (Purpur), die sich auch im Wappen der Präfektur und Stadt Kyoto findet, soll an den ehemals kaiserlichen Status der Stadt erinnern. Der Verein spielt aktuell in der J-League 2 und wurde in der Saison 2019 achter.


Japanischer Rekord Meister mit insgesamt acht Titeln ist Kashima Antlers, im Jahr 2007 gelang sogar das Double aus Meisterschaft und Kaiserpokal.


Rekord Pokalsieger sind die Yokohama F. Marinos, mit 5 Siegen im Kaiserpokal.


Spieler mit den meisten Spielen im japanischen Profifußball ist Yasuhito Endo mit 641 Einsätzen. Spieler mit den meisten Toren ist Yoshito Okubo mit 185 Toren. Der älteste noch aktive Profi in der J-Leauge ist der 53-jährige Kazuyoshi Miura auch „King Kazu“ genannt. Er begann seine Karriere 1986, wurde brasilianischer und kroatischer Meister und Japans Fußballer des Jahres. Er machte 89 Länderspiele für Japan und Schoß 55 Tore. Das sind nur einige der nennenswerten Rekorde im japanischen Fußball.



Nun komme ich zu dem, was mich besonders an diesem Sport im Land der aufgehenden Sonne begeistert: die japanische Fankultur. Selten habe ich einen lauteren und euphorischeren Support für diesen Sport gesehen als von den japanischen Fans. Ich beneide jeden Fußballspieler, der diese Atmosphäre in den Stadien des ganzen Landes erleben darf. Insbesondere die Fangemeinde des in der Präfektur Saitama ansässigen Clubs Vegalta Sendai hat es mir angetan. Nicht nur haben sie die besten Choreografien und lautstärksten Supporter, sondern sie haben auch die besten Fangesänge. Die meisten Fangesänge stammen von der Punk Band Cobra die aus der Stadt Sendai stammt und die Stadt als auch die gesamte Region mit ihrer Musik stark geprägt hat.


Aber auch andere Vereine haben starken Support. Neben den Fans von Vegalta Sendai, wären hier die Supporter von Urawa Red Diamonds, Visel Kobe und Gamba Osaka zu nennen. Diesen vier Fangemeinden kann in Japan so schnell keiner das Wasser reichen. Doch nicht nur National auch International sind japanische Fußballfans nicht mit anderen zu vergleichen. Wenn Japan auf der internationalen Bühne steht, sorgen die japanischen Fans für Schlagzeilen. Nicht wie sonst im Fußball vielleicht zu erwarten negativ, sondern eher mit Nachrichten wie nach dem WM-Spiel gegen Kolumbien 2018 in Russland, wo die Fans das Stadion aufgeräumt haben.


Das alles macht den japanischen Fußball für mich so besonders und aus diesen Gründen habe ich ihn lieben und schätzen gelernt. Wenn euch dieser Sport so begeistert wie mich, dann hoffe ich, euch konnte dieser Artikel einen neuen Anreiz geben und ihr gebt dem ein oder anderen Club eine Chance euch zu inspirieren wie mich. Ihr könnt mir gerne über Instagram oder Facebook schreiben, um euch mit mir über Fußball auszutauschen. Falls ihr auch gerne Fußball-Videospiele spielt, kann ich euch Captain Tsubasa: Rise of a New Champion empfehlen!


Euer Taka

Bildquellen:

Titelbild: By Diegobcardenas - Own work, CC BY-SA 4.0,

Bild 1: By Tsutomu Takasu CC BY 2.0,

Bild 2: CC BY 2.0

Bild 3: By The original uploader was Tony110886 CC BY 2.0,

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