Gaming Review: The Dark Pictures: Little Hope

Ein Jahr ist nun seit der Veröffentlichung des ersten Teils der Dark Pictures Anthology vergangen und so wagte ich mich mit gemischten Gefühlen an den 2. Ableger der Spielereihe. Ihr wollt wissen was das neue Horror-Game zu bieten hat? Dann lest mehr in dieser Review:


Datum der Erstveröffentlichung: 30. Oktober 2020

Entwickler: Supermassive Games

Serie: The Dark Pictures Anthology

Herausgeber: Bandai Namco Entertainment, Namco Bandai Games America Inc.

Plattformen: PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows


Achtung: dieser Artikel und die dazugehörigen Bilder können Spoiler enthalten!



Was genau ist The Dark Pictures: Little Hope?


Genau wie Man of Medan ist auch Little Hope ein cinematisches Horrospiel mit einer gesunden Mischung aus Quick-Time Events, Umgebungserkundung und schier unendlich vielen Entscheidungsmöglichkeiten. Jede deiner Entscheidungen beeinflusst den Spielverlauf und den daraus resultierenden Ausgang der Geschichte. Da in diesen Spielen oftmals Wahn und Realität miteinander vermischen kann man nie so genau vorhersehen wann einem eine reelle Lebensgefahr droht und wann man nur einer reinen Halluzination verfällt. Doch genau das verleiht den Spielen Würze und konfrontiert den Spieler mit nervenzermürbenden Panikmomenten und einer Menge Schuldgefühle.



Eine gute Umschreibung für die Spielereihe, doch was genau geschieht in Little Hope?

Dieses Mal befinden wir uns mit unseren erneut durchweg unsympathischen Charakteren nicht etwa auf einem Schiff, sondern landen nach einem Busunfall in einer verlassenen Geisterstadt namens Little Hope.

Dichter Nebel und eine unheilvolle Stille à la Silent Hill sind unsere ewigen Begleiter. Hin und wieder (oder auch wesentlich öfter) schleichen uns böse kleine Mädchen und entstellte Monster hinterher -> welches natürlich die Silent Hill Aura noch großzügiger unterstreicht.


Hexen und Teufelspakte

Die Story ist laut den Entwicklern an Salems Hexen-Prozesse im Jahr 1692 angelehnt. Unsere 5 Hauptcharaktere befinden sich in einer Art Zeitschleife, in der sie mindestens 3 Mal wiedergeboren wurden: Im Mittelalter, in den 70ern und der Gegenwart. Alle Reinkarnationen stehen im direkten Zusammenhang mit der vermeintlichen Antagonistin des Spiels: Mary aka Megan.

Das kleine Mädchen Mary stand unter Verdacht in einem Pakt mit dem Teufel zu stehen und setzte alles daran, diesen Verdacht auf alle ihr im Weg stehenden Personen abzuwälzen. Unsere zu Unrecht der Hexerei verurteilten Hauptcharaktere sahen sich einem grausamen Tod gegenüber und erblickten in einer späteren Epoche erneut die Welt. Doch auch in dieser Zeitspanne war ihr Schicksal mit Marys (bzw Megans) schwarzer Magie verknüpft. Megan stellte sich als verhaltensauffälliges und schwer erziehbares Kind heraus, welches zum Unmut ihrer Adoptivfamilie (unseren Protagonisten) führte. Oft war sie das Streitthema der Eltern, welches erneut zu Megans Groll führte. Sie zündete das Haus an und überließ unsere Charaktere erneut einem qualvollen Ableben. In der Gegenwart erleiden unsere Charaktere einen Busunfall und begeben sich auf die Suche nach Hilfe und dem auf mysteriöse Weise verschwundenen Busfahrers, dicht verfolgt von Marys/Megans Erscheinungen und ihren ganz persönlichen Dämonen.



Die verschiedenen Charaktere und ihre Besonderheiten

Der Spieler wechselt immer wieder zwischen den 5 Hauptcharakteren: Angela, Andrew, Daniel, Taylor und John. John ist der College Professor und Möchtegern-Anführer der Vier und glänzt durchweg mit Arroganz und Feigheit. Angela ist eine Studentin Ü50 und auch sie behauptet sich durch ihre garstige, abweisende Art. Taylor und Daniel sind ein College-Liebespärchen, welche sich nur noch nicht eingestehen wollen, das sie eine Beziehung führen (obwohl sie ganz eindeutig eine Beziehung führen)... Daniel ist relativ gelassen und besonnen, wohin gegen Taylor eine verwöhnte und unselbstständige Diva ist, welcher ständig der Stift so tief hängt, dass er den Erdkern streicheln könnte. Über Andrew ist nicht viel zu sagen, er ist einfach das typisch introvertierte Sensibelchen, welches nur einen minimalen Eindruck hinterlässt und quasi als Allround-Lückenfüller dient.

Über die Umgebungen an sich ist nicht viel zu sagen. Sie sind gruselig und marode - ganz wie man so eine Horror Stadt eben erwarten würde.



Was genau kann man von dem Spiel erwarten?


Beginnen wir mit den negativen Aspekten:


1. Charakterzüge der Spieler

Gerade die bereits erwähnten negativen Eigenschaften der Charaktere führen zu einer erschwerten Beziehungsentwicklung und häufigen Instant-Kills. Diese Todesmöglichkeiten sind nicht nur saumäßig unfair, sondern auch nahezu unvermeidbar, da die Protagonisten wie bereits erwähnt allesamt furchtbare Eigenschaften besitzen und eine Verbesserung dieser kaum erreicht werden kann.

Die Charaktere fühlen sich von allem angefasst und sind vollkommen unberechenbar. Jede Antwort, die ein geistig gesunder Mensch neutral oder positiv hinnehmen würde, wird von den Charakteren in der Luft zerrissen und führt zu einer Verschlechterung der Charaktereigenschaften.

Ohh, du denkst es wäre klug jemanden zu sagen das er nicht sinnlos in der Gegend herumschießen soll, weil er einen Unschuldigen treffen könnte? Ja, naja das ist vielleicht sinnvoll- aber bedeutet auch das du anmaßend und forsch bist-eben ein furchtbares Individuum- BAAM, Instant-Kill von Bondage-Dämon-kun! Du willst beruhigend und beschützend auf deine Freundin einreden, um ihr neuen Mut zu schenken? Pfff, wie töricht von dir! Das zeigt nur wie arrogant und unvorsichtig du bist-WAAM, Instant-Kill durch Zaunpfahl-Dämon-chin. Und so zieht es sich eben das ganze Spiel durch und man entwickelt beim Anblick der sterbenden Protagonisten eher Erleichterung als Empathie.



2. Fehlende Dramaturgie

Die Geschichte könnte jedoch alles reißen, wenn sie nicht so flach und kurz gestaltet wäre. Gefühlt befand sich nur zum Ende hin eine kleine Steigerung der Dramatik. Diese sank aber auch wieder kurz nach ihrem Höhepunkt und ließ den Spieler mit einem unzufriedenstellenden Ende zurück. Alles nur ein Hirn-Gespinst des Busfahrers Andrew/Anthony, welcher in Wirklichkeit den Hausbrand der 70er überlebt hatte und von nun an mit seinen Schuldgefühlen und Halluzinationen seiner toten Familienmitglieder umhergeistert.


Nicht gerade ein befriedigender Ausgang, wenn man den Aufwand betrachtet, den das Spiel betrieben hat, um die Geschichte rund um das verfluchte Mädchen und die immer wiederkehrenden Tragödien aufrecht zu erhalten. Persönlich finde ich es sogar eine schwache Leistung der Entwickler, da es einfach nur so wirkt, als ob ihnen die Ideen ausgegangen wären. Im Prinzip könnte man sogar soweit gehen und behaupten, dass einem die ganze Geschichte lang keinerlei Gefahr gedroht hat und man gar kein Urteil über Marys/Megans Schuld oder Unschuld hätte fällen müssen, da man eh nur Fantasie-Produkte eines gebrochenen Mannes steuerte.

Natürlich kann ich meine Review nur auf diesen Ausgang der Geschichte beziehen, da ich eben dieses Ende erreicht habe. Ich habe mir vorgenommen, das Spiel erneut zu spielen, um andere Wege und Entscheidungen zu wählen und somit ein anderes Ende zu erzielen. Jedoch wird die Motivation mit der bereits oben genannten Erkenntnis drastisch minimiert.



3. Synchronisation

Weiterhin muss an dem Spiel die Synchronisation bemängelt werden. Oftmals bewegen sich die Lippen noch lange Zeit weiter, obwohl die Dialoge der Charaktere schon beendet sind. Zudem sprechen die Charaktere plötzlich mitten in der Cut-Scene englisch und deutsch gemischt. Beides nimmt natürlich die schaurige Stimmung und hinterlässt nur ein peinlich berührtes Schmunzeln.

Zusätzlich zu den bereits genannten Audioproblemen kommen oftmals miserabel übersetzte Texte hinzu. Oftmals ergab sich erst durch das Lesen der englischen Original-Texte ein sinnvoller Zusammenhang. Klar ist das ein Problem, welches auf die Arbeit des deutschen Synchronisation-Teams zurückzuführen ist, sollte aber dennoch nicht einfach so unter den Teppich gekehrt werden, da man gerade von einem First-Class Unternehmen wie Bandai Namco deutlich mehr erwartet.


4. Reaktionen der Charaktere

Zu gerne ich auch über unpassende Reaktionen der Charaktere lache, ärgern sie mich im gleichen Zuge noch mehr. Denn gerade in einem so atmosphärischen Horror-Spiel wie diesem erwarte ich bei einem Jump-Scare eine andere Reaktion als Heehööheeewaa....


Obwohl man natürlich auch sagen muss, dass man schon froh sein kann, wenn die Charaktere überhaupt eine Reaktion zeigen. Gerne rennen sie auch einfach an geradezu unübersehbaren Ereignissen wortlos vorbei, nur um dann einen halben Herzinfarkt zu erleiden, wenn ein Hirsch über die Straße läuft.


Das klingt ziemlich frustrierend! Gibt es auch positive Aspekte?


Ja aber nein aber ja... Fairerweise muss man sagen, dass das Spiel eigentlich ein relativ gelungener Ableger der Anthologie ist. Da Man of Medan schon keinen puren Horror-Faktor bieten konnte, hat sich das Spiel dahingehend auch nicht sonderlich verschlechtert.



1. Gutes Design und Audio

Die Jump-Scares sind hier und da perfide platziert und konnten selbst meinem stählernen Herz auch mal ein,,Huah“ entlocken. Die bereits erwähnten Dämonen sind fantastisch designed und können durch ihr innovativ widerwärtiges und einzigartiges Aussehen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Soundtrack und die Atmo-Soundeffekte sind gut durchdacht und umklammern das Unbehagen, welches einem im ewigen Nebel verfolgt.


2. Benutzerfreundlichkeit

Die Quick-Time-Events sind wesentlich ausbalancierter als im letzten Teil und sind durch die mit Symbolen gekennzeichten Ankündigungen wesentlich benutzerfreundlicher.


3. Überzeugende Geschichte

Die Geschichte ist gut gewählt und kann meiner Meinung nach (bis auf das Ende) auf ganzer Linie überzeugen. Durch die widersprüchlichen Ereignisse fällt es einem schwer, das richtige Urteil zu fällen. Ich für meinen Teil befand Mary/ Megan für Unschuldig und prangerte den Priester an. Da jedoch in meinem Story-Ausgang das Geschehen durch das Erwachen des Busfahrers ein abruptes Ende nimmt kann nicht genau geklärt werden, ob sie nun unschuldig oder doch die Brut Beelzebubs ist. Doch gerade das macht das ganze so verzwickt.

Das Spiel lässt einen auf raffinierte Weise in dem Glauben das Mary/ Megan böse ist, nur um im selben Moment wieder mit einem Funken ihrer Unschuld aufzuwiegen und einen genauso ratlos wie zuvor zurückzulassen.


4. Realitätsnahe Animationen

Abschließend möchte ich trotz der gelegentlich merkwürdigen Audio-Segmenten auf die Animationen aufmerksam machen. Denn diese waren wirklich hervorragend. Mimik und Gestik der Figuren wirken schon sehr realitätsnah und hübschen zusammen mit der flüssigen Steuerung noch einmal zusätzlich auf.




Bewertung des Spiels:

Auch wenn ich der Bewertung der meisten Redaktionen nicht hundertprozentig zustimmen kann denke ich, dass Little Hope ein solides Horror-Spiel darstellt. Ähnlich wie Remothered: Broken Porcelain ist das Spiel zwar kein Block-Buster Titel, aber eine gelungene Abwechselung für eingefleischte Horror-Fans.


ฅ(≚ᄌ' ≚)ฅ(≚ᄌ' ≚) ฅ(≚ᄌ' ≚) (3 von 5 Pfötchen)


Eure ToraGemingu


Über die Autorin:

Hallo zusammen, ich verfasse unter dem Pseudonym ToraGemingu Reviews zu Spielen, Conventions, Filmen und dem alltäglichen Leben einer Couch-Kartoffel (ΦωΦ). Als leidenschaftliche Sammlerin und Gamerin freue ich mich, meine Erfahrungen mit Euch teilen zu können. Wenn euch dieser Beitrag gefallen hat, folgt mir gerne auf Instagram schaut euch meine anderen Beiträge auf meinem Blog an oder schreibt mir auf Playstation: Tora_Gemingu (╯ಠ_ಠ)╯︵ ┳━┳


Bildquellen: Pressefotos, BANDAI NAMCO und Supermassive Games

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