Interview: Leben & Arbeiten in Japan

Sich im Ausland verlieben und dann wegen der Liebe ans andere Ende der Welt ziehen. Das klingt doch ziemlich romantisch, oder? Was im ersten Moment wie der Anfang einer Hollywood-Schnulze klingt, wurde für Brigid zur Realität. Die Britin hat Japanisch studiert und im Auslandsjahr an der Universität in Tokyo Ayato getroffen. Mittlerweile arbeitet und lebt sie mit ihm zusammen in der Hauptstadt Japans. Wie sich ihr Leben durch den Umzug verändert hat und mit welchen Hürden sie zu kämpfen hatte lest ihr nun hier im Interview:


Für die englische Version, siehe weiter unten. For the english version, see below.

Nach dem Studium hast du beschlossen dauerhaft nach Japan zu ziehen. Wie hat sich dein Alltag verändert?


Offensichtlich hat sich mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert! Bevor ich nach Japan ging, lebte ich mit meiner Familie in London. Jetzt lebe ich mit Ayato am anderen Ende der Welt in Japan. Es ist schwer, so weit weg von meiner Familie zu sein und ich habe oft Heimweh. Aber es ist auch spannend, so weit weg von zu Hause zu sein! 😊

Auch die Werbung, Speisekarten, Schilder, Fernsehshows und so weiter sind natürlich alle auf Japanisch, also musste ich plötzlich viel aktiver versuchen, alles um mich herum zu verstehen. Ich muss jeden Tag Japanisch sprechen, lesen und hören. Das kann also alles es ein wenig anstrengend sein, aber ich denke, meine Sprachkenntnisse haben sich dadurch sehr verbessert.


Hattest du Probleme dich einzugewöhnen?

Nun, ich bin bereits zum zweiten Mal nach Japan gezogen – das erste Mal damals für mein Auslandsjahr. Damals war ich so aufgeregt nach Japan zu fliegen. Es gab viele Willkommensveranstaltungen an der Universität, so dass ich mich ziemlich schnell eingelebt hatte. Dieses Mal, nachdem ich bereits ein Jahr in Japan gelebt hatte, hatte ich keine Probleme mehr, mich einzuleben. Ich denke, es war für die Eingewöhnung hilfreich, dass ich an der Universität Japanisch und japanische Geschichte/Literatur/Kultur studiert habe und dass ich bereits vor meinem Umzug nach Japan in London Teilzeit in einem japanischen Supermarkt gearbeitet habe.

Mein Kulturschock war nicht übermäßig groß, da ich so viel Vorwissen hatte.

Gibt es Dinge, an die du dich nie gewöhnen wirst?

Woran ich mich nie gewöhnen werde. . . naja, die Züge und U-Bahnen zur Hauptverkehrszeit sind so überfüllt!

Ich glaube nicht, dass ich mich da jemals daran gewöhnen werde. Ich bin immer so nervös, wenn ich in Züge einsteige.

Auch denke ich, dass es in Europa normal ist, wenn man über ernstere Themen wie Politik, Religion, Umwelt oder psychische Gesundheit spricht. Aber in Japan wird nicht in der gleichen Art über diese Themen diskutieren. Noch dazu kommen die großen Unterschiede in der Kommunikation. Es gibt also viele Gründe dafür, weshalb es Ausländern schwerfällt enge Freundschaften in Japan zu schließen (wenn auch nicht unmöglich!). Das ist schwer, sich daran zu gewöhnen.

Wie ist der Arbeitsalltag in Japan? Es gibt viele Geschichten über japanische Angestellte, welche quasi für ihre Arbeit leben– wie ist das an deinem Arbeitsplatz so?

Definitiv wie die Geschichten! Meine Hauptarbeitszeiten sind von 10:00-19:00 Uhr, aber viele Mitarbeiter in unserem Unternehmen bleiben bis 21:00 Uhr, 22:00 Uhr oder sogar nach Mitternacht in der Arbeit – und sie übernachten dann in einem Hotel in der Nähe! Ich weiß nicht, was sie dazu motiviert; ich gehe immer früh nach Hause. Aber ich denke, in Japan ist der Druck innerhalb der Gruppe sehr groß: da die anderen japanischen Mitarbeiter bis spät im Unternehmen bleiben, macht auch jeder das Gleiche – es ist peinlich, früh zu gehen, wenn jeder andere Überstunden macht.

Insgesamt habe ich etwa 14 Urlaubstage im Jahr, einschließlich der Tage, an denen ich krank bin. Es gibt keinen Krankenstand. Das ist nicht ideal, weil ich mich immer schlecht fühle, wenn ich mir Urlaub nehme. Aber Japan hat viele Feiertage rund um Neujahr und im Frühjahr gibt es die „Golden Week“, wo viele Feiertage innerhalb einer Woche sind und jeder die Tage zwischen den Feiertagen frei nehmen kann.

Ich habe noch nie in einem britischen Unternehmen gearbeitet, daher kann ich keinen Vergleich ziehen. Aber mein Unternehmen ist definitiv ein bisschen wie eine zweite Familie, was meiner Meinung nach dazu beiträgt, die Leute zu motivieren, hart zu arbeiten. Es gibt (oder gab, vor der Corona Krise) viele Betriebsfeiern. In meiner Firma gibt es auch Freizeitaktivitäten, denen man beitreten kann wenn man möchte. Mein Team ging gemeinsam in einen Biergarten und zu einem Thai Food Fest. Wir stehen uns also alle recht nahe und haben Spaß zusammen.

Allerdings scheint das nicht überall der Fall zu sein, denn in Ayatos Firma ist es ganz anders - viel ernster, keine Freizeit-Aktivitäten oder so.


Was waren die größten Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche?

Ich denke das größte Problem bei der Arbeitssuche besteht darin, dass es schwierig sein kann, eine Stelle in einem "normalen Unternehmen" zu bekommen. Wenn man nicht fließend Japanisch spricht und die japanische Kultur gut versteht, ist das oftmals schwierig. Ich kenne allerdings Leute, die in regulären Unternehmen in denselben Berufen arbeiten wie Japaner.

Aber es gibt glücklicherweise viele Websites und Personalvermittlungsunternehmen, die Ausländern bei der Arbeitssuche in Japan helfen, und zwar bei Unternehmen, die aktiv auf der Suche nach ausländischen Mitarbeitenden sind. So konnte ich sehr schnell eine Stelle finden.

Hast du Tipps für Leute, die nach Japan ziehen wollen?

Mein Tipp für diejenigen, die interessiert sind, ist es einfach zu tun! Das geht am einfachsten mit einem Work & Travel Visum, beim Studium an einer Universität in Japan, als Lehrender, oder mit einem Kurs an einer Sprachschule – es gibt viele Möglichkeiten. Das ist wirklich der beste Weg, um dein Japanisch zu verbessern und mehr über die japanische Kultur zu lernen. Wenn du dir Sorgen machst, denk daran, dass du immer nach Hause gehen könntest, wenn Dinge schief gehen.

Alles in Allem finde ich, dass die Japaner im Alltag sehr freundlich und höflich zu Ausländern sind und dass Japan ein aufregender Ort zu leben ist. Viel Glück! 😊


Danke für dieses tolle Interview, Brigid! Ich hoffe wir sehen uns bald wieder.

Wusstest du, dass Ayato sein Auslandsjahr in Salzburg verbracht hat? Wir haben mit ihm über Studi-Alltag und Kulturschocks gesprochen - zum Interview geht's hier!


Ich hoffe euch hat das Interview gefallen,

Eure Fabia

The original interview in English:


Falling in love abroad and then moving to the other side of the world because of that person; That sounds pretty romantic, doesn't it? What sounds like the beginning of a Hollywood cliché at first became reality for Brigid. The British woman studied Japanese and met Ayato at the University of Tokyo during her year abroad. She now works and lives with him in the capital of Japan. Read this interview to read about how her life changed because of the move and what challenges she had to face:

After graduating you decided to move to Japan permanently. How did your everyday life change?

Obviously my life changed in many ways!

Before I left for Japan I was living with my family in London, and now I am living with Ayato in Japan. It’s hard being away from my family and I often feel homesick, but it’s also exciting being so far from home! :)

Also, advertisements, menus, shop signs, tv shows and so on are, of course, all in Japanese, so suddenly I had to try a lot harder to understand everything around me. I have to speak, read, listen to Japanese everyday, so it can be a bit tiring but I do think that my Japanese language skill has improved a lot.

Did you have problems to settle in?

Well, this is my second time coming to Japan. For my year abroad, I was so excited to come to Japan, and there were lots of welcome events at the university and so on, so I settled in pretty quickly.

And this time, as I had already lived in Japan for a year I didn’t have any more problems settling in.

I think it helps that I studied Japanese and Japanese history, literature, culture and so on at university, and that I worked part time at a Japanese supermarket in London before coming here. That meant that I had a pretty good understanding of life in Japan already, and I didn’t have such a big culture shock.

Are there things you never will get used to?


As for things I will never get used to... well, the trains in rush hour are so crowded!! I don’t think I will ever get used to that, I’m always so nervous when I get on trains.

Also, in Europe I think it’s normal for people to talk about more “serious topics” like politics, religion, the environment, mental health, and so on, but in Japan you don’t really get people talking about these issues in the same way in social situations. Further, there are other differences in communication too. For various reasons I think it’s difficult for foreigners to make *really close* Japanese friends in Japan (although not impossible!) which is hard to get used to.

How is the working life in Japan? There are a lot of stories about the strong dedication of Japanese employees to the company they work for- do you see this at your workplace too?

Definitely the same as the stories!

My “set working hours” are from 10:00-19:00, but many employees at my company will stay at work until 21:00, 22:00, or even past midnight - and they’ll stay at a hotel nearby! I don’t know how they are motivated to do so, I always go home early. But I think in Japan, peer pressure is very important so, as the other Japanese employees stay late at the company, everyone else does the same too - it’s awkward to leave early when everyone else is doing overtime.

I have around 14 days of holiday a year in total, which includes days that I’m sick. There is no sick leave. That sucks as I feel bad whenever I take a holiday. But Japan has a long New Years holiday and Golden week holiday in the spring when everyone gets the day off.


I’ve never worked at a British company so I’m not sure what it’s like, but my company is definitely a bit like a second family, which I think helps to motivate people to work hard. There are (or were, before corona) many company parties. My company also has club activities which you can join if you want. My team went to a beer garden together, as well as a Thai Food festival and so on. So we are all quite close, and it can be fun!

But in Ayato’s company it is very different - a lot more serious, no club activities or anything.

What are the difficulties Wien looking for a job?

I think the main difficulty when looking for a job is that it can be difficult to get a job at a “regular company” unless you are very fluent in Japanese and have a good understanding of Japanese culture. (I do know people who do work at regular companies in the same jobs as Japanese people, though.)

But luckily there are many websites and recruitment companies to help foreigners find jobs in Japan, at companies that are actively looking for foreign employees. So I was able to find a job very quickly.

Do you have any advice for people who want to move to Japan?

My advice for people who are interested is to just do it! Get a working holiday visa or study abroad at a university, or teach, or study at a language school - there are many options. It’s really the best way to improve your Japanese and learn more about Japanese culture. If you’re worried, remember that you can always go home anytime if things go wrong.

But I find Japanese people to be very friendly and polite toward foreigners, and it’s an easy and fun place to live. Good luck :)

Thank you for this great interview, Brigid! I hope we can see each other soon.

Did you know that Ayato was in Salzburg for his year abroad? We talked to him about university life and culture shocks - read the interview here.

I hope you enjoyed the interview,

Fabia

Bildquellen:


Titelbild Kirschbaum in Shinjuku, Fabia Klinger

Ticketautomat, Fabia Klinger

Photo by Robby McCullough on Unsplash

Photo by Drew Beamer on Unsplash

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