JDM – Japans Leidenschaft zum Automobil

Die vielfallt der japanische Auto-Szene, wurde schon in verschiedenen Youtube Videos und Dokumentationen dargestellt. Es gibt aber etwas was diese Diversität vermeintlich in den Schatten stellt: „Die goldene Ära“ des JDM. Diese Ära wird in einer gewissen Nische der Auto-Szene förmlich zelebriert. Alte Tapes von Honda Civics in Osaka oder Videos von den Bergen in Gunma gehören fast schon zu den heiligen Dokumenten der Szene. Relikte einer Zeit in dem die Locals scheinbar ohne Sorgen und unter sich den Traum eines jeden Autofan leben konnten.


Diese Zeit liegt mittlerweile schon mehr als 30 Jahre zurück und in so vielen Jahren verändert sich einiges. Mit der Popularität des Tokio Autosalon und den vielen verrückten Autos, die dort ausgestellt werden, ist es recht leicht zu sagen, dass japanischer, amerikanischer und europäischer Stil sich immer näherkommen. Marken wie Rocket Bunny, Liberty Walk und Rauh-Welt Begriff sind weitestgehend bekannt und bieten Teile für alle möglichen Fahrzeuge an. Viele Stimmen lassen verlauten, dass das Gefühl der 90er, sprich „das echte JDM“, im Laufe der Zeit verloren gegangen ist und die Szene in Japan kleiner wird.

Dies lässt sich aber nicht hundertprozentig nachweisen, da Twitter, Instagram und Line-Gruppen in der Szene sehr viel relevanter sind als noch vor Jahren. Was die Szene in Japan noch sehr beeinflusst ist die Umgebung. Hier unterscheidet es sich stark, ob man in ländlichen Berggegenden oder in einer Stadt wie Tokio unterwegs ist.





Szene Hotspots in Kanto


Tokio bietet wenig Platz, ist geordnet und man ist eher anonym. Wie gehen Autoliebhaber mit diesem Umfeld um? In Tokio ist es gar nicht so schwer, in die japanische Autoszene reinzuschnuppern und mit Besitzern von richtig coolen Autos in Kontakt zu kommen. Anonym und distanziert ist man hier in der Autoszene eher weniger. Es ist allerdings wichtig ein grundlegendes Konzept zu verstehen: Respekt gegenüber anderen. Leute, die ihrem Hobby nachgehen, gehen zu hundert Prozent in diesem auf. Das lässt sich in Japan nicht nur in der Autoszene festmachen. In der japanischen Kultur gibt es ein Konzept namens Ikigai, was frei übersetzt das wofür es sich zu Leben lohnt heißt.



Somit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Person, die einem gegenübersteht, vollkommen in seinem Auto und seiner Arbeit daran aufgegangen ist. Dies führt zu einem komplett anderen Umgang miteinander und der Co-Existenz verschiedener Stile, Autos und Menschen. Insbesondere in Tokio werden was das Tuning von Autos betrifft eigene Ideen und Stile verfolgt und umgesetzt, und zwar unabhängig davon was andere in der Szene davon halten.

Dies ist mitunter einer der größten Unterschiede zur europäischen Tuning Szene. Hier in Europa wird man oft kritisiert, dafür welches Auto man fährt, welche Teile man benutzt und wie man das Auto gestaltet.

Gerade in Tokio wo viel gearbeitet wird, bedeutet sich mit seinem Auto zu beschäftigen oder es zu modifizieren Abwechslung zum Alltag. Die Stadt wird somit von Autos bestimmt die mehr auf Form als auf Funktion ausgelegt sind.





Die Base-Shore-Line und der Sea-One Express Loop ist im Großraum Tokio so ziemlich die einzige Strecke für Autofans, um ein paar nächtliche Runden zu drehen. Neben der schon angesprochenen Form als nur Funktion findet mann auf dem Wangan einen breiten Mix an Supercars und hochgezüchteten japanischen Fahrzeugen. In gewisser Weise gleicht diese Atmosphäre der deutschen Autobahn-Kultur. Auf den Parkplätzen neben den Highways findet man aber die entspannte Parkplatz-Kultur wie sie in Tokio üblich ist.

Um einen Fuß in die Szene in Tokio zu setzen ist es am einfachsten das, Auto des anderen zu loben. Oft wird sich dann eher verwundert, aber höfflich bedankt und man kommt in Gespräch. Standard-Fragen der Japaner sind oft, was tust du hier, woher kommst du, magst du japanische Autos, oder Frauen. Je respektvoller und offener man ist, umso einfacher kann man mit Menschen unterschiedlichster Herkunft einen schönen Abend verbringen. Sowas kann man in Tokio jedes Wochenende auf den bekannten Parkplätzen oder einfach beim lokalen Seven Eleven oder der Tankstelle erleben.


Bergstraßen in Gunma


Gunma, bergig, viel ungenutzte Fläche und ganz im Gegenteil zu Tokio lokal. Das Leben hier hat einen anderen Fokus als das in der Metropole. Die Autos-Szene in Gunma ist etwas schwieriger zu bestaunen. Hier ist es von Vorteil, ein eigenes Auto zu haben. Außerdem wird sie anders als in Tokio nicht besonders offen ausgelebt. Denn ja, den guten alten Shit aus den Tapes gibt´s immer noch. Die Berge bestimmen hier den Stil der Autos und auch die Mentalität der Autofans. Was würdet ihr Unternehmen, wenn ihr drei Berge, mit den unterschiedlichsten Strecken, die nachts nicht befahren werden und innerhalb von 45 Minuten erreichbar sind, vor eurer Haustür habt?

Anders als in Tokio,wo mit Highspeed auf den Autobahnen gefahren wird oder vor dem Seven Elven geparkt wird, geht es hier bei den Autos um die Funktion auf dem Pass.

Da die Aktivitäten rund um das Fahren auf den Pass nicht unbedingt legal sind, ist die Szene auf den ersten Blick eher skeptisch gegenüber Fremden eingestellt. Als Ausländer fällt man hier umso mehr auf.

Diese Passstraßen wurden Unter anderem im Anime Inital D verwendet.

Die Szene in Gunma setzt sich aus den unterschiedlichsten Menschen zusammen. Es gibt Menschen die als Lackierer, Tankstellenpersonal oder Werkstättenbesitzer ihren Lebensunterhalt verdienen und dann nachts ihren eigenen Traum von Freiheit ausleben. Diese Konstellation führt dazu, dass die Szene in Gunma ein sehr familiäres Umfeld bietet. Gleichzeitig ist die Mentalität eine gänzlich andere. Das Geld ist knapper, also wird alles selbst gemacht und irgendwie auf den nächsten Satz Reifen gespart. So entwickelt sich auch der eigene Stil der Fahrzeuge: funktional muss es sein, aber auch bitte irgendwie cool.

Egal zu welcher Jahreszeit man sich auf den Parkplätzen rund um Akagi umsieht, es sind immer JDM Legenden zu sehen und die Driftspuren auf den Passstraßen sind frisch.


Der Moderne JDM heute


Was ist jetzt also dieser „echte JDM“ und gibt es das heute überhaupt noch?

Grundsätzlich bedeutet JDM ja erstmal nur Japanese Domestic Market. Also Teile oder Autos die in Japan bestenfalls spezifisch für Japan hergestellt wurden. Bei uns im Westen hat sich der Begriff allerdings zu etwas entwickelt, was viel breiter ist. Wenn man sich in Autoläden auf Amazon oder sonst wo nach JDM Stickern umsieht, findet man oft nur Sticker wo JDM draufsteht, am besten noch mit der Rising Sun Flagge und die keine tiefere Bedeutung haben.

Deshalb müssen wir im Westen mit den Begriff JDM differenzierter umgehen. Man könnte sagen: Idealistischer JDM gegen Materialistischer JDM. Mittlerweile sind japanische Autoteile-Hersteller nicht mehr nur in Japan unterwegs, sondern global. Man sollte diesen Split machen, denn Teile werden nun auch für europäische und amerikanische Fahrzeuge hergestellt. Solche Teile würde ich als materiellen JDM bezeichnen, aber nur weil ein Porsche mit Rauh-Welt Teilen oder ein Dodge auf Liberty Walk gemacht ist, sind die Fahrzeuge nicht JDM. Diese sind auf JDM gemacht, also beeinflusst durch die kulturellen Tuning-Eigenschaften Japans.

Idealistischer JDM ist komplizierter zu beschreiben. Ein Volkswagen kann JDM sein, sobald ein Auto so modifiziert ist, dass es so aussieht als würde es ein Japaner modifizieren. Andersrum kann ein Toyota kein JDM Auto sein, indem es mit Teilen aus dem Westen modifiziert wurde. Deshalb ist der Idealistische JDM eine komplizierte Sache.

Abschließend kann man sagen: JDM existiert auch heute noch. Jedoch entwickelt er sich weiter wie alles andere auch. Solange es Menschen gibt, die das Gefühl von JDM weitertragen, wird auch die Szene in Japan nicht aussterben. Auch könnte sich die Autoszene im Westen einiges von der Mentalität in Japan abschauen. Es sollte egal sein, wie ein Auto modifiziert wurde und welches Auto man fährt. Es sollte jedem Spaß machen und jeder sollte für die Arbeit, die er in sein Auto steckt, wertgeschätzt werden.

Ich hoffe euch hat dieser Artikel über die Tuning- und Autoszene Japans gefallen und ihr konntet einen neuen Blickwinkel auf das Land der aufgehenden Sonne gewinnen.


Euer Taka.

Titelbild: By Tokumeigakarinoaoshima - Own work, CC BY-SA 4.0

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Bild 2: By M.rJirapat - Own work, CC BY-SA 4.0

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