Wie du ein Rüstungs-Cosplay richtig angehst

Punica ist bekannt für ihre aufwendigen und detaillierten Cosplays mit Rüstungen. Wie man eine Rüstung bzw. ein Cosplay allgemein angeht, was beim Cosplay zählt und warum sie dabei ihr Herzblut hineinsteckt, verrät sie uns hier:


Hallo zusammen,

mein Name ist Mirjam – besser bekannt bin ich jedoch unter meinem Künstlernamen Punica.

Als leidenschaftliche Cosplayerin und YouTuberin besuche ich fast jede Convention in Österreich. Ich möchte euch heute etwas über das Thema Rüstungen und Cosplay erzählen:


Viele von euch wissen, dass es sich hierbei um das so detailgetreu wie mögliche Verkleiden (Cos-tume) und das Spielen (-Play) - also das Nachahmen- eines bestehenden Charakters aus Film, Buch oder Videospiel handelt (Unterscheide dazu LARP). Hierbei werden Rüstungen und Waffen gebaut, aufwändige Kleider genäht und die wildesten Frisuren an Wigs gestylt. Da selten jemand in all diesen Bereichen gleich begabt ist, spezialisieren sich viele Cosplayer auf ein Fachgebiet. Gleich vorweg möchte ich noch sagen, dass kein Cosplayer einfach mit Talent geboren wird. Dahinter steckt harte Arbeit und langes Üben.

Die einen können besonders gut nähen – hierbei muss ich an meine Freundin Missescharmys denken- die anderen können die billigste und schrecklichste Wig in ein wahres Meisterwerk an Frisur verwandeln – wie etwa LyriaLavander. Ich habe mich für meinen Teil auf den Rüstungsbau mit EVA-Foam spezialisiert.


Tyrande Whisperwind von Punica Cosplay
Tyrande Whisperwind von Punica Cosplay

Meine erste Rüstung war eine absolute Katastrophe. Damals habe ich mit Worbla das falsche Material gewählt. Aber ich habe nicht aufgegeben und die nächste Rüstung - Tyrande Whisperwind aus World of Warcraft - gebaut. Dieses mal hatte ich einen tatsächlichen Plan und sie ist schon wesentlich besser geworden.

Aber meine Lieblingsrüstung und mein Signature-Cosplay ist und bleibt Sally Whitemane (aus World of Warcraft). Bei diesem Charakter habe ich etliche neue Techniken umgesetzt und deutlich mehr Liebe und Mühe investiert. Und es hat sich gelohnt!


Wichtig für das Gelingen eines so großen Projektes ist meiner Meinung nach ein ausgereifter Plan und zwar schon vor Beginn des eigentlichen Crafting-Prozesses. Nehmen wir doch gleich Sally als Beispiel:




Lege dir einen Plan zurecht

Bevor ich mit dem Cosplay starte, überlege ich mir ganz genau welche Materialien ich brauche. Um das herauszufinden gliedere ich jedes einzelne Teil (Hut, Schultern, Beine, usw.) auf. Hierfür habe ich mir extra ein leeres Notizbuch zugelegt in dem sämtliche selbst gemachten Cosplay Projekte der letzten Jahre notiert sind. Nachdem ich nun jedes Teil genauestens skizziert habe und in dem Zuge auch direkt überlegt wo ich beispielsweise Magneten oder Klettverschluss anbringen kann, kann ich sehr gut abschätzen welche Materialien und vor allem wieviel ich davon brauche.


Sally Whitemane von Punica Cosplay
Sally Whitemane von Punica Cosplay

Überlege dir die Materialien

Welches Material ich benutze entscheidet sich also schon im Zeichenprozess- hierbei überlege ich genau welchen Vorteil mir welches Material bringt- ich bin zwar ein großer Verfechter von EVA Foam aber beispielsweise für Rüstungsteile auf den Schuhen bevorzuge ich dann doch Worbla, weil es stabiler ist und schnell mal mit einem Heißluftföhn repariert werden kann. Für Brust und Schulter habe ich für Sally dann zum EVA-Foam gegriffen weil dieser leichter und flexibler ist als Worbla. Ich kann mich also darin wesentlich besser bewegen, weil das ganze Konstrukt nicht so starr ist.


Behalte deine Bestellungen und Ausgaben im Blick

Nachdem ich alles skizziert und durchgeplant habe, erstelle ich eine Einkaufsliste mit Preisen, Stückanzahl und Bestelldaten (woher, wann kommt es an, etc.). Diese eignet sich auch zur späteren Übersicht und Summierung der Ausgaben.


Starte mit den Mustern und Vorlagen

Nachdem alle Materialien besorgt oder bestellt sind fange ich üblicherweise mit dem Herstellen von Mustern bzw. Pattern - sowohl für die Rüstungsteile, als auch für Teile die genäht werden müssen - an. Ich habe bis jetzt alle meine Patterns selbst angelegt. Ich empfehle auch diese Patterns unbedingt aufzubewahren. Man weiß nie wann man sie doch wieder benötigt. Fürs Zeichnen von Patterns benutze ich bevorzugter Weise AquaFix. Das ist Pauspapier welches aufgrund seiner höheren Stärke gegenüber normalem Pauspaier sehr oft in der Landschaftsarchitektur zum Zeichnen von Plänen verwendet wird (hatte ich erwähnt, dass ich Landschaftsarchitektin bin? Nein? Nun wisst ihr es xD).


Das richtige Werkzeug für die Rüstung

Bei der Arbeit mit EVA-Foam sind einige Werkzeuge unabdingbar: der Dremel, ein scharfer Cutter, eine Schneidunterlage und ein Heißluftföhn. Der Dremel ist nicht unbedingt ein Must-Have-Item, aber man kann damit doch Ecken und Kanten in bestimmten Winkeln abschleifen oder generell kleine Macken ausbessern. Daher kann ich ihn nur wärmstens jedem ans Herz legen, der regelmäßig mit EVA-Foam arbeiten will.

Eine neue Technik die ich bei Sally gelernt und erstmals angewandt habe ist, dass ich mit einem Lötkolben Muster in den Foam eingebrannt habe. Der Lötkolben ermöglicht ein ganz leichtes Einbrennen und eine sehr saubere Brennlinie.

Eine weitere neue Technik war das Shaden – also das Schattieren- der Rüstung mit Ölfarbe. Auch das hatte ich zuvor noch nie ausprobiert und das Ergebnis hat mich umgehauen. Bei dieser Technik wird ganz zum Schluss, wenn alle Rüstungsteile schon richtig angemalt sind, mit schwarzer oder weißer Ölfarbe Schatten und Highlights mit einem Schwamm oder einem Stück Küchenrolle verstrichen und hervorgehoben. Das verstärkt noch zusätzlich den 3D-Effekt und Ölfarbe hat die Eigenschaft sich wunderbar ausblenden zu lassen.


Sally Whitemane von Punica Cosplay
Sally Whitemane von Punica Cosplay

Plane ausreichend Zeit für das Cosplay ein

Sally Whitemane hat mich 123 Stunden Arbeitszeit gekostet. Ich weiß das so genau weil ich auch über die Zeit die ich mit den einzelnen Teile verbringe eine Tabelle führe. So war die Schulter mit 79 Stunden am zeitaufwendigsten.


Ich bin also auch nicht mit Talent vom Himmel gefallen, sondern habe mir step by step immer wieder neue Techniken angeschaut und erlernt. Und ich lerne heute noch bei jedem Cosplay dazu. Bei jedem neuen Projekt kommt ein Gerät mehr dazu (mein Lieblingswerkzeug? Definitiv der Dremel!) und etliche neue Erfahrungen.


Am Ende des Tages ist Cosplay aber ein unglaublich soziales Hobby, bei dem oft gemeinsam gecraftet und der Rat von anderen Cosplayern eingeholt wird. Ich frage unglaublich oft meine Freunde in dieser Szene: „He! Hast du einen Schimmer davon wie ich das am besten anstellen soll?!“ und andersherum freue ich mich, wenn ich jemandem eine neue Technik zeigen kann.


Wo ihr euch sonst noch Cosplay-Wissen holen könnt

Besonders viel habe ich aber von meinen beiden Lieblingscosplayern gelernt – Kinpatsu und Kamui. Beide haben einen YouTube Channel wo sie unglaublich nützliche Tutorials hochladen und beide produzieren auch Bücher (von denen ich fast alle besitze).

Star Guardian Xayah von Punica Cosplay
Star Guardian Xayah von Punica Cosplay

Manche meiner Cosplays sind jedoch gekauft. Ja, ihr habt richtig gelesen- ich kaufe auch Cosplays.


Es ist meiner Meinung nach absolut egal, ob der Charakter der dargestellt wird nun selbst gebaut oder genäht ist, oder ob er bestellt ist. Stolzer bin ich selbstverständlich auf meine selbstgebauten Cosplays – wie Sally Whitemane, Jaina Proudmoore oder Tyrande Whisperwind.

Aber wichtig ist im Summe eigentlich nur eine einzige Sache: Spaß zu haben.

Und da ich persönlich eine absolute Niete im Nähen bin, gleichzeitig aber Charaktere super finde, die nun mal nur genähtes Gewand tragen, wird schlicht und einfach eingekauft. Deswegen habe ich nicht weniger Spaß am Tragen des Outfits und fühle mich auch nicht schlechter.

Meine Kernaussage für alle Cosplayer, egal- ob Anfänger oder Fortgeschritten - die ich mitgeben möchte ist also: Jedes Cosplay- egal ob gekauft, gecraftet, closetcosplay (direkt aus dem eigenen Kleiderschrank), ob gut oder schlecht umgesetzt- ist nur dazu da, um eine wunderbare Zeit mit und in der Community zu erleben.



Punica auf der AniSekai 2019:


Und hiermit verabschiede ich mich auch schon wieder. Wir sehen uns auf der nächsten Con! Ihr könnt mich jederzeit ansprechen- ich beiße nicht. =)


XoXo Punica


Steckbrief Punica:

Name: Mirjam

Nationalität: Österreich

Cosplay Name: Punica

Instagram: @punicacosplay

YouTube: Simply Punica

Signature-Cosplay: Sally Whitemane (Hots Edition, World of Warcraft)

Stärken: Foam-Smith

Schwächen: Nähen

Cosplayer seit: 2015 (aktiv in der Community seit 2017)

Lieblingsmaterial: Foam Clay

Leitspruch: „Die Angst zu fallen ist groß, doch der Wille ist größer.“


Bildquellen:

Bild 1, Tyrande whisperwind - Foto von U. Zeinzinger, edit von @lyria_lavender

Bild 2, Sally Whitemane, Foto von Christian Graf @christiangraf.playground

Bild 3, Sally Whitemane, Foto von @hagakurephotography

Bild 4, Star Guardian Xayah, Foto von @foto_kreuzer

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